Der Kaufmann Mathias Christian Diedrich Asmuss

Mathias Christian Diedrich Asmuss, kurz M.C.D., war Kaufmann, so steht es in dem Personenstandsregister der Stadt Lübeck. Im Jahr 1798 gibt es im Adressbuch von Lübeck nur einen Eintrag zu M.C.D. Asmuss. Zu diesem Zeitpunkt war er noch Junggeselle und hatte in der Beckergrube 105 ein gut gefülltes Lager „von allen Sorten Hanf und Flachs, Leinsamen und anderen Rußis.Produkten, auch Mecklenb. Wolle, besorgt Commißions und Speditionsaufträge“. Die Beckergrube führt heute von der Stadttrave zur Breitenstraße und vom Hafen zum Theater in der Innenstadt. Zur Zeit von M.C.D. Asmuss gab es das noch nicht. Die Mehlspeicher lagen einst unweit des Hafens, so auch das Lager auf der Beckergrube 105. Es spricht vieles dafür, dass Mathias Christian Diedrich das väterliche Brandweinlager des Vaters weiterführte und es mit neuem Warensortiment anreicherte.

M.C.D. war eine gute Partie. Die Geschäfte gingen gut. So konnte er es sich leisten, gerade ein Jahr nach dem Adressbucheintrag, im Alter von 26 Jahren am 4. Juli 1799 die Kaufmannstochter Anna Margarita Dircks in Lübeck zu heiraten. Geboren wurde Anna Margarita am 17. Dezember 1778 in Lübeck als Tochter des Ludolf David Dircks. Ihr Vater ist vermutlich bereits vor 1798 gestorben, da er weder im Lübecker Adressbuch von 1798 noch in den Volkszählungen von 1805, 1810 und 1815 genannt wird.

Noch waren es Friedenszeiten und das junge Glück konnte seine Tage genießen. Mathias Christoph Diedrich und seine Frau ahnten noch nicht, was ihnen bevorstand. Im Siebenjährige Krieg verhielt sich Lübeck neutral. Aber die Auswirkungen des Krieges verschonten die Stadt nicht. Lübeck wurde trotz Neutralitätsaussage in die Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Preußen hineingezogen. Unglück kam über die Stadt.

Am 5. November 1806 nach der Schlacht von Jena und Auerstedt flüchteten Teile der preußischen Armee in die Stadt. Das war schon schlimm genug. Aber noch Schlimmeres sollte die Bewohner der Stadt heimsuchen. Denn nachdem es vor den Toren der Stadt beim Dorf Ratekau zu einer Schlacht gekommen war, fielen die Franzosen in die Stadt ein. Sie plünderten am 6. November 1806 mehrere Tage lang die Stadt. Es waren Tage der Furcht, der Angst und des Trauers. Es folgten Einquartierungen, Zwangsabgaben und Ablieferungen. Der Handel kam zum Erliegen. Ein schwerer Schlag für die Bürger der Stadt und auch für Mathias Christian Diedrich.

Bis ins Jahr 1813 hinein wurden es harte Jahre für die Bürger von Lübeck. Diedrich Asmuss, wie er gerufen wurde, und seine Familie hatten ebenso wie alle anderen Bürger der Stadt die französische Besatzung zu erdulden. Zwar war Lübeck durch den Wiener Kongress 1755 wieder ein selbstständiger Stadtstaat geworden, aber die Kämpfe mit Dänemark um die Verkehrswege Lübecks, die Schuldenlast seit der Franzosenzeit und die Konkurrenz der Ostseehandelsstädte standen einem Aufschwung entgegen. Hilfe war nur begrenzt in Aussicht, denn Russland und Schweden förderten zwar Lübeck, aber Preußen hatte sich von Lübeck abgewandt und unterstützte nun die Städte Stettin, Danzig und Königsberg. Die Stadt Kiel erhielt Hilfe von Dänemark. Der so notwendige Handel für die Wirtschaft der Stadt ächzte unter diesen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen.

Kein Wunder, dass die leeren Stadtkassen sich kaum füllen wollten. Die Ratsherren suchten nach Wegen, um dieser Ebbe in der Stadtkasse ein Ende zu bereiten. Sie fanden eine Lösung: die Vererbpachtung. Diese betraf vor allem die Müller und deren Mühlen. Es gab viele in und um Lübeck. Die Müller konnten nun das nutzbare Eigentum an der Mühle und ihrem Zubehör unter bestimmten Bedingungen, die die Stadt vorgab, pachten.

Auch die Bürger der Stadt mussten ihren Teil beitragen, um die Stadtkassen zu entlasten. Sie wurden zum Unterhalt der Besatzungsgruppen verpflichtet. Sie hatten „1738 Mark Lübsch und 12 Schillinge, das waren nach unserer Währung etwa 10.400DM…“ (Thormann, R. 1993, S.116) zur Zeit der französischen Besatzung zu entrichten. Die Bürger murrten zwar, aber bezahlten.

Die Auflage der Stadt, dass die französischen Soldaten bei den Bürgern einquartiert und von ihnen verköstigt werden mussten, führte zu Konflikten zwischen Wirtsleuten und Einquartierten (Thormann, R. 1993, S.116). Auch die Geschäfte von M.C.D. Asmuss litten unter dieser Situation.

M.C.D. Asmuss lebte mit seiner Familie auf der Mühlenstraße 19, unweit des Mühlentors. Zum Zeitpunkt der Volkszählung lebte Dorothea Katharina Emilia, am 15. April 1800 geboren, schon nicht mehr. Sie starb am 30. Oktober desselben Jahres. Der Sohn Herman Heinrich erblickte 1801 in Lübeck das Licht. Ihm folgte Ludolf Georg Heinrich, am 22. August 1803, Anna Charlotte am 31. August 1804, am 20. September 1805 Napoleon sowie Magdalena Dorothea Luise am 14. Juli 1810.